Der Notarzt

Entwicklung

Zu Beginn der 1970er Jahre zeigte sich im Bereich der Notfallmedizin immer mehr, dass bereits vor Ort wichtige medizinische Maßnahmen geleistet werden müssen, um für den Patienten den grösstmöglichen Therapieerfolg zu sichern.
Studien ergaben, dass die Stabilisierung des Patienten vor bzw. während des Transportes entscheidend für den klinischen Behandlungserfolg ist. Bis zu diesem Zeitpunkt war es Standard, den Patienten in den Rettungswagen einzuladen und so schnell wie möglich, aber weitgehend unversorgt, in ein Krankenhaus zu transportieren.

Ausbildung

Wer in Deutschland als Notarzt tätig ist, muss zusätzlich zu seiner ärztlichen Ausbildung über eine besondere Qualifikation verfügen.
Zum einen stellt der Fachkundenachweis Rettungsdienst oder die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin selbige sicher.
Der Erwerb der Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin setzt nach der zuletzt im Januar 2006 aktualisierten Weiterbildungsordnung der Bayerischen Landesärztekammer  eine 3-jährige Weiterbildung in einem Gebiet der stationären Patientenversorgung in einer Klinik voraus, davon sechs Monate Weiterbildung in Intensivmedizin, Anästhesiologie oder in der Notfallaufnahme.
Ausserdem ist neben der Teilnahme an 80 Stunden Kurs in allgemeiner und spezieller Notfallbehandlung auch der Nachweis von 50 Einsätzen im Notarztwagen oder Rettungshubschrauber  unter Anleitung eines verantwortlichen Notarztes erforderlich.

Sonderformen

Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD), der selbst auch meist als Notarzt tätig ist, ist in seiner Funktion ausschliesslich für die medizinisch-organisatorische Belange des Rettungsdienstes in seinem Bereich zuständig. Darunter fallen zum Beispiel die Festlegung der medizinischen Ausrüstung, die im Rettungswagen/Notarzeinsatzfahrzeug/Hubschrauber mit zu führenden Medikamente sowie die Aus-/Fortbildung des Personals und die Überwachung der einzuhaltenden Standards. 

Der Leitende Notarzt (LNA) wird als medizinischer Einsatzleiter/Fachberater nach Gesetzeslage bei Großeinsätzen und Katastrophen eingesetzt. Der LNA organisiert den Einsatz vor Ort aus medizinischer Sicht und ist damit allen medizinisch tätigen Kräften einschliesslich den anderen Ärzten weisungsbefugt. Je nach Einsatzlage wird der LNA in Ausnahmefällen auch in prekären medizinischen Situationen alarmiert, ohne dass eine Großschadenslage vorliegt. In der Regel beteiligt sich der Leitende Notarzt jedoch nicht an der unmittelbaren Patientenversorgung. In Bayern arbeitet der LNA gemeinsam mit dem organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL) am Einsatz, welcher diesen aus taktischer Sicht organisiert.

Die Aufgaben des Notarztes

Der Notarzt arbeitet immer Team zusammen mit dem Rettungsfachpersonal, welchem er in medizinischer Hinsicht weisungsbefugt ist.

Seine Aufgaben sind:

  • die Durchführung akut lebensrettender medizinischer Maßnahmen
  • die Herstellung der Transportfähigkeit des Patienten
  • die Schmerztherapie
  • die Begleitung und Überwachung des Patienten auf dem Transport in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus
  • gegebenenfalls der Abbruch der Hilfsmaßnahmen und/oder die Feststellung des Todes
  • im Bundesland Bayern das Ausstellen einer vorläufigen Todesbescheinigung

Einsatzindikationen

Enstprechend dem in der Intergrierten Leitstelle Allgäu (ILS Allgäu) aufgenommenen Meldebild entsendet selbige zusätzlich zum Rettungswagen einen Notarzt.

Arbeitsgrundlage für die ILS ist der Notarzt-Indikationskatalog Bayern – Stand März 2002:

  • Störungen der Atmung
  • Störungen des Bewusstseins
  • Störungen des Kreislaufs
  • Starke Schmerzen
  • Akute Lähmung 
  • Vermutlich Schwerverletzte oder mehrere Verletzte (anhand des Unfallmechanismus)
  • Sturz aus großer Höhe
  • Wasser-, Ertrinkungs-, Tauch- und Eisunfälle
  • eingeklemmte oder verschüttete Personen
  • Verbrennungen, Verbrühungen, Verätzungen 
  • Suizid, suizidale Handlung
  • Schuss-, Stich-, Hiebverletzungen im Kopf-, Hals- oder Rumpfbereich
  • unmittelbar bevorstehende oder stattgefundene Geburt
  • Grundsätzlich kann jederzeit ein Notarzt nachgefordert werden, wenn die anwesende Rettungsmannschaft dies für gerechtfertigt ansieht. Dies kann beispielsweise bei einer Zustandsverschlechterung des Patienten oder einer kritischeren Sachlage als zunächst angenommen der Fall sein.

Text: Susanne Blechschmidt

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